Worum geht es bei diesem Projekt?
Der Karolinenplatz
Im bekannten Karolinenviertel entstand ein neuer Platz für die Bewohner und Besucher des Viertels, gelegen an der Gnadenkirche, direkt gegenüber der Messe. Nach rund einem Jahr Bauzeit und einer Planungsgeschichte, die bereits 1988 begann, sind die Bauarbeiten im Herbst 2008 abgeschlossen.
Die Planung und künstlerische Bauleitung übernahmen die renomierten Landschaftsarchitekten GHP.
Eine der beiden Straßen, die bisher um die Kirche herum führte, wurde stillgelegt und statt ihrer eine Fußgängerzone errichtet. Durch diesen neu entstandenen Platz werden die bereits vorhandenen architektonischen Highlights Kirche und Gemeindehaus neu in Szene gesetzt, man nimmt sie jetzt als Einheit mit dem Karoviertel wahr, ganz im Gegensatz zu ihrer früheren Insellage.
Die Skulptur
Das Ensemble bereits vorhandener Baudenkmäler ergänzt eine Betonskulptur mit der Grundfläche von ca 60m². Die Skulptur wiegt ca. 100 Tonnen. Sie wurde in Einzelteilen produziert und im Oktober 2008 aufgestellt.
Das „Motiv“ der Skulptur ist am ehesten aus der Vogelperspektive zu erkennen:
Sie besteht aus den fünf übereinander geschichteten, stilisierten Ziffern der Postleitzahl des Quartiers: „20357“. Diese Zahl zieht sich wie ein roter Faden durch die vielen Arbeiten von Heiko Zahlmann im Karolinenviertel. Das ergibt sich zum Teil aus seiner Graffiti Vergangenheit, denn in der Szene werden Postleitzahlen häufig als Ergänzung zum Künstlernamen verwendet. Sprüher identifizieren sich mit "ihrem" Viertel und zeigen das auf diese Weise.
Die Lesbarkeit der Postleitzahl steht nicht im Vordergrund, der Betrachter soll die Skulptur entdecken können, Kommunikation angeregt werden.
In diesem Fall wird nicht nur dem Künstler, sondern allen Bewohnern des Karoviertels ein Identifikationsträger geboten, da die Postleitzahl, als ein gemeinsamer Nenner, nun auch als Treffpunkt funktionieren kann. Die Skulptur kann sich zum modernen „Dorfbrunnen“ entwickeln, an dem Neuigkeiten ausgetauscht werden und zusammen Zeit verbracht wird.
Die fünf Ziffern der Skulptur sind in verschiedenen Graustufen durchgefärbt und in Zahlmanns typisch reduzierten Bildsprache entworfen. Das konsequent puristische Erscheinungsbild respektiert die benachbarten Baudenkmäler in ihrer Eigenheit und regt einen Dialog zwischen den historischen und den modernen Elementen an. Die Ausführung komplett in Beton zu halten ist konsequent, Erwartungen in Bezug auf eine bunte Effekthascherei werden durchkreuzt.
Die Skulptur geht einerseits auf Konfrontationskurs und setzt dem Platz andererseits das i-Tüpfelchen auf, indem sie eine künstlerisch eigenständige Position darstellt.
Ist dies die „Renaissance des Sichtbetons“, wie sie von dem bekannten Heidelberger Architekturprofessor Thilo Hilpert gewünscht wird ?
Der Künstler
Heiko Zahlmann lebt seit vielen Jahren im Hamburger Karolinenviertel.
Er schuf dort eine open-air-Galerie, die das Weichbild des Quartiers geprägt hat.
Weitere Projekte wie die Gestaltung des 2000m² großen Blohm und Voss Docks (2001) oder die Bemalung eines 38m hohen Kirchturms (1999) mit Eintrag im Guinness Buch der Rekorde, sorgten auch international für Aufmerksamkeit.
Seit ca. 10 Jahren stellt Zahlmann seine Arbeiten auch in Museen und Galerien aus.
Seine Arbeiten haben sich in den letzten Jahren weg von großformatigen gesprühten Wand- und Leinwandbildern, hin zu Reliefs und Skulpturen entwickelt.
Mehr und mehr missachtete er die ungeschriebenen Gesetze der Graffitiszene und ließ in den letzten Jahren sogar die Farbe in seinen Arbeiten weg.
Zahlmann legt wert auf eine ständige Weiterentwicklung. So verwendete er in den letzten Jahren, quasi als Alternative zur Leinwand, Sichtbetontafeln als Maluntergrund und nun auch als Werkstoff für diese Skulptur.
Die früher durch Malerei imitierten Strukturen wurden abgelöst durch tatsächlich dreidimensionale Gebilde, die häufig keine Farbe mehr benötigen, aber trotzdem niemals Ihre Herkunft verleugnen.
Der Kunstkritiker Hajo Schiff bezeichnete die Arbeiten von Heiko Zahlmann als “Graffiti ohne Graffiti“, die Nachwuchssprüher sogar dazu reizen könnten, sich darauf zu verewigen.
Doch im Gegensatz zu übermalten Wandbildern kann die Skulptur durch solche Attacken nicht zerstört werden.
Es bleibt abzuwarten, wie stark sie umgenutzt wird.
Erfahrungswerte gibt es keine, denn eine begrhbare Graffiti-Skulptur dieser Dimension im öffentlichen Raum ist ein bisher einzigartiges Projekt.
Weitere Infos über Heiko Zahlmann:
www.heikozahlmann.de
Heiko Zahlmann dankt der Kunstkommission der Kulturbehörde, Frau Mittelberg, Frau De Temple, Herrn Minkenberg und der Behörde Management des öffentlichen Raumes des Bezirkes Hamburg Mitte, der Stadt Hamburg, Frau Weber, Frau Heimfarth und dem Sanierungsbeirat Karolinenviertel, Frau Ehret und Herrn Herbst vom Architektenbüro GHP, Katinka Horn, Peter Keller, Boris Castro und allen, die das Projekt unterstützt haben.